Social Collaborating
Die Tools dieser Kategorie fördern die Zusammenarbeit beim Erstellen von Dokumenten oder anderen neuen Inhalten. Tjettmers (2011) trennt die Anwendungen hier zwischen Online-basierten Office-Tools (z.B. http://www.docs.google.com, http://www.zoho.com) und Wikis. Die Online-Office-Tools bieten mehreren Personen die Möglichkeit, (teilweise gleichzeitig) gemeinsam an einem Office-Dokument zu arbeiten. Dies beschränkt sich nicht nur auf das Verfassen eines Textes, sondern geht bis zum Erstellen von Tabellen und Präsentationen. Der Einsatz von Wikis ist sehr flexibel, und wird deshalb auch im Hochschulbereich schon verbreitet eingesetzt.
Social Networking
Laut Bernhardt und Kirchner (2007) dienen Tools zum Social Networking vorrangig der Darstellung von sich selbst und zur Kontaktaufnahme und Pflege von sozialen Kontakten. Sie unterscheiden hier zwischen Business Networking (z.B. http://www.xing.com, http://www.linkedin.com) und Private Networking (z.B. http://www.facebook.com, http://www.myspacecom). In den meisten Fällen erstellt der Nutzer/die Nutzerin nach der Registrierung ein eigenes Profil, auf dem er/sie bestimmte Informationen (z.B. Name, Geburtsdatum, Ausbildung, Beruf, Foto, etc.) preisgibt. Der Nutzer/die Nutzerin kann in den meisten Fällen noch bestimmte Rechte einstellen und vergeben, welche Besucher des Profils, bestimmte Informationen sehen bzw. nicht sehen können. Dies dient dem Schutz der Privatsphäre.
In den nächsten Beiträgen werden Social Softwaretools nach er Kategorisierung von Bernhardt und Kirchner (2007) vorgestellt. Den Anfang macht die Kategorie Online Communication:
Online Communication
Die wichtigste Funktion dieser Tools ist laut Bernhardt und Kirchner das Herstellen und Pflegen sozialer Kontakte. Unterschieden wird hier zwischen synchroner (z.B. Instant Messaging, Audio- bzw. Videokonferenzen) und asynchroner (z.B. Forum, E-Mail) Kommunikation. Tjettmers beschreibt hier die Wichtigkeit der asynchronen Kommunikation, da diese davon ausgeht, dass die Teilnehmer/innen nicht gleichzeitig online sein müssen und somit unabhängiger voneinander sind.
Die gängigsten asynchronen Kommunikationstools wie z.B. Forum oder E-Mail sind auf den meisten eLearning-Plattformen bereits standartmäßig inkludiert. Auch eine Chatfunktion ist in den meisten Fällen vorhanden. Funktionen wie Audio- bzw. Videokonferenzen sind hier jedoch schon seltener Anzutreffen. In manchen Fällen gibt es ein Online-Konferenz-Tool, bei dem man z.B. auch Folien hochladen kann, um z.B. eine Online-Vorlesung zu halten. Diese Funktion wird jedoch oft durch ein externes Programm (z.B. Adobe Connect) ergänzt und liegt nicht direkt auf der Lernplattform.
Das 5-Stufen-Modell (im Orginal: “5 stages model”) beschreibt, welche Stufen die Teilnehmer einer Online-Veranstaltung hinter sich bringen, und, dass sich auf jeder Stufe eigene Moderationsaufgaben befinden, die wahrgenommen werden müssen:
- Access and motivation (Zugang und Motivation): Es ist wichtig, den Teilnehmern einen leichten und unkomlizierten Zugang zu verschaffen, und diese zu motivieren, den Kurs, die Umgebung und deren Möglichkeiten zu nutzen.
- Online Socialisation (Online-Sozialisierung): In dieser Phase ist es die Aufgabe des Moderators bzw. der Moderatorin, den Aufbau einer Community zu fördern.
- Information Exchange (Informationsaustausch): Nach der Bilduung einer Community und dem Auseinandersetzen mit den technischen Gegebenheiten beginnen nun die Teilnehmer, sich mit dem eigentlichen Lerninhalt auseinanderzusetzen, und sich darüber auszutauschen.
- Knowledge construction (Wissenskonstruktion): In dieser Phase beginnen die Teilnehmer, sich über die Lerninhalte auszutauschen (vorausgesetzt, die ersten drei Stufen wurden erfolgreich absolviert), und zu interagieren. Gemeinsames Erstellen von Dokumenten und Diskussionen spielen eine wichtige Rolle.
- Development (Weiterentwicklung): Nun stehen Reflexion und kritisches Denken im Vordergrund. Die Lernenden müssen ihr bisheriges Wissen hinterfragen und ihr neues Wissen einordnen. Der Moderator / die Moderatorin gibt Anstöße und Möglichkeiten zum Austausch der Teilnehmer.
Quelle:
http://www.atimod.com/e-moderating/5stage.shtml
Neben Kuhlmann und Sauter hat sich auch Elisabeth Kaliva in ihrem Buch “Personal Learning Environments in der Hochschullehre” mit dem Thema PLE auseinandergesetzt.
Ähnlich wie bei Kuhlmann und Sauter beschreibt Kaliva (2009) ein PLE als Zusammensetzung mehrerer Komponenten:
- LMS: Anders als ein Lern-Management-System soll ein PLE nicht zum Großteil Kontroll- bzw. Kontrollaufgaben ermöglichen, sondern sich mit Ihren Möglichkeiten individuell an die Bedürfnisse des Lernes anpassen. Das PLE besteht also nicht aus einem Lernmanagementsystem, sondern bezieht Informationen und Services unterschiedlich für die einzelnen PLEs.
- ePorfolio: Kaliva beschreibt eine gewisse Ähnlichkeit zwischen ePortfolio und PLE, jedoch ist ein PLE umfassender. Der Lernende hat mehr Möglichkeiten, die seine digitale Lernumgebung nach seinen Wünschen und Vorstellungen zu gestalten, sowohl, was Struktur, als auch, was die Anwendungen angeht. Sie beschreibt das ePortfolio also als Teil einesPLE.
- Individuelle Werkzeugkiste:Kaliva vergleicht ein PLE mit einem Web-Desktop wie z.B. iGoogle. Es ist also eine Mischung aus einen fest vorgegebenen Teil, und einem individuell gestaltbarem (eigene Inhalte und Funktionen).
Die Merkmale eines PLE beschreibt Kaliva wie folgt:
- Interaktion mit Lernobjekten
- Kommunikation und Kollaboration im Lernprozess
- Adaptierbarkeit
Diese ähneln stark denen von Kuhlmann und Sauter (2008).
Hier gehts weiter mit dem kooperativen Lernen. Bisher bin ich auf den Lerner und die Bildung von Lerngruppen eingegangen.
Ein weiterer Punkt ist die Gruppenzusammensetzung. Tjettmers beschreibt folgende Aspekte, die bei der Bildung von Gruppen wichtig sind:
- Gruppengröße: Die Gruppengröße spielt natürlich eine wesentliche Rolle bei der Erfüller einer Aufgabe für die Gruppe.
- Gruppenbildung: Die Art und Weise, wie die Gruppen gebildet werden, kann große Unterschiede bei der Zusammensetzung der Mitglieder. Bilden sich die Gruppen demokratisch, also die Mitglieder können sich selbstständig zusammenfinden, kommt es tendenziell eher zu homogenen Gruppen, da sich die Mitglieder eher nach Gemeinsamkeiten zusammenfinden. Werden hingegen die Gruppen willkürlich zusammengestellt, kann es zu sehr heterogenen Gruppen kommen, sowohl was Vorwissen als auch Charaktereigenschaften angeht.
Tjettmers gibt jedoch keine Angabe, welche Art der Gruppenbildung zu bevorzugen ist. - Heterogenität: Der Aspekt der Heterogenität ist nicht außer acht zu lassen. Heterogenität kann hier entweder im Bezug auf Fachwissen, aber auch auf sozialen Status gesehen werden. Tjettmers beschreib, dass wenn die Heterogenität unter eine gewisse Grenze fällt, die Gefahr eines “unproduktiven Konsens” besteht. Dieser wiederum kann zu Prozessverlusten (z.B. Motivationsverluste, Koordinationsverluste,…) führen.
Da gestern mein neues Buch “Social Software in der Hochschullehre” von Stephan Tjettmers angekommen ist, möchte ich ein bisschen hineinschnuppern, und mich genauer mit dem Thema “kooperatives Lernen” beschäftigen.
Tjettmers beginnt mit der Beschreibung des Lerners, da dieser der wesentliche Bestandteil einer Gruppe ist. Er muss laut Tjettmers bestimmte Bedingungen (emotionale, motivationale, kognitive und soziale) erfüllen, um sich in einem kooperativen Lernprozess beteiligen zu können.
Außerdem geht er besonders auf die Gruppe als solche ein, vor allem auf “Lerngruppen”. Diese werden immer wieder unterschiedlich definiert, zum Beispiel beschreibt Döring (2003) die vier Hauptmerkmale einer sozialen Gruppe wie folgt:
- “ständige Kommunikation und Kommunikationsmöglichkeit”
- Abgrenzung von der Umwelt und Binnenstrukturierung der Gruppe
- Zusammengehörigkeitsgefühl der Mitglieder
- Kollaboration und wechselseitige Unterstützung der Mitglieder
Dies ist jedoch ein sehr allgemeiner Ansatz für eine Gruppe und kann fast auf jeden Gruppentyp angewendet werden. Tjettmer bringt auch einen guten Ansatz von Wessner aus dem CSCL-Kompendium:
“Lerngruppen erstellen zwar auch meist ein Produkt, das eigentliche Ziel ist jedoch der Erkenntnisgewinn jedes Einzelnen. Während das Ergebnis das Mittel zur Erreichung des Ziels darstellt, ist die Entwicklung von Sozial-, Fach- und Methodenkompetenz Teil des Gruppenziels. Die Aufteilung der Aufgaben erfolgt so, dass Qualifizierungsdefizite möglichst abgebaut werden.” (Wessner 2004, S. 203)
Lerngruppen haben also über die Erstellung eines gemeinsamen Produkts einen weiteren Mehrwert. Dieser besteht zum Beispiel daraus, dass Personen ihre Schwächen dadurch ausgleichen können, dass sie innerhalb der Gruppen Aufgaben übernehmen, die ihren Qualifikationen besser entsprechen. Dadurch müssen sie nicht unnötig Zeit und Energie für Agenden aufbringen, ihre Schwächen erst aufzuarbeiten.
Die bereits beschriebenen Bedingungen der einzelnen Lerner sind hier natürlich besonders wichtig. Die sozialen Eigenschaften einer Person verhindern zum Beispiel das Risiko, dass sich einzelne in der Gruppe “mitziehen lassen”, sich also ohne besondere Anstrengung durch eine Aufgabenstellung hindurch bringen lassen.